KONTAKT   I  IMPRESSUM

DR. PHIL. GÜNTHER SCHWARZ

JESUSFORSCHER, ARAMAIST UND THEOLOGE

Wiederherstellung des geistigen Vermächtnisses Jesu

Interview Dezember 2007

Werke

Das folgende Interview hat der Journalist Ulrich Dröge, Hannover, mit Dr. Günther Schwarz am 28.12.2007 geführt und dankenswerter Weise erlaubt, es hier zu veröffentlichen. Die Tonbandabschrift wurde von Herrn Schwarz ohne Streichungen oder Zusätze, nach Klärung von Namen und Einzelheiten sowie in Kenntnis der vom Interviewer gesetzten Fußnoten am 08.01.2008 autorisiert.

 

Wann genau ist Ihnen aufgegangen, dass die griechische Fassung der Evangelien-Überlieferung ein großes Problem darstellt? Wann und wie sind Sie darauf gestoßen? Sie waren ja zu dem Zeitpunkt noch kein Gelehrter, kein Fachmann?

 

1952. Durch Bücher von Joachim Jeremias – „Gleichnisse Jesu“, „Abendmahlsworte Jesu“ – und durch Ärger.

 

Welchen Ärger?

 

Dadurch, dass ich weder griechisch noch aramäisch lesen konnte.

 

Sie haben sich selbst geärgert, als Laie, als Christ?

 

Ja. Ich wollte es genau wissen, so genau wie möglich. Und durch die Lektüre der Bücher von Jeremias wurde mir klar: Das Griechische ist nicht immer genau. Es gibt aber den Schritt zurück zum Aramäischen, wo die Genauigkeit, die erreicht werden kann, zumindest größer ist. Und mein Ärger über mein Nicht-Können verführte mich dazu, griechisch zu lernen und aramäisch. Griechisch anhand einer NT-Übersetzung, deutsch, und anhand des rein griechischen neutestamentlichen Textes.

 

Das heißt, Sie haben das erst als Hobby betrieben?

 

Ich bin einfach eingestiegen und habe das lernen wollen. Keine Grammatik, keinen Lehrer, nur über Lektüre. Die Bücher von Jeremias regten mich an, mich in die Materie zu vertiefen. Ich habe mir ein griechisches Neues Testament im Großdruck gekauft, habe die Evangelien herausgetrennt, die Blätter zerschnitten, in Zeilen. Dann habe ich die Zeilen mit Uhu auf Millimeterpapier aufgeklebt – aber anders, nämlich nach Sinnzeilen. Und so alle vier Evangelien.

 

Warum Sinnzeilen?

 

Wieder über Jeremias. Er hat ja diese Texte, die er bearbeitet hat, in Sinnzeilen abgedruckt. Also: Die Sprache, die Thematik und auch die Poesie habe ich durch den Hinweis, den ich von Jeremias empfing, schließlich zu meiner Sache gemacht. Er hatte das nicht konsequent belegt, nur in Beispielen, und ich habe es durch den ganzen Evangelientext hindurch getan.

 

Dann haben Sie es zu einem Kriterium vertieft und benennen es nach wie vor als eine Form von ‚Poesie’ – was einen verblüfft. Denn das vermutet man ja nicht, dass der biblische Jesus als Lehrer gleichzeitig ein Dichter war.

 

Das ist richtig. Ich muss dazu sagen, ich habe vorher das Alte Testament in einer Übersetzung gelesen, die auch in Sinnzeilen gedruckt war, von Emil Kautzsch. Ebenso habe ich die Apokryphen gelesen, ebenfalls in Sinnzeilen gedruckt. Und bei der Lektüre der Bücher von Kautzsch, vier Bände insgesamt, wurde ich vertraut gemacht mit den verschiedenen Rhythmen – mit der Poesie der Propheten, Psalmisten, Weisheitslehrer. Das habe ich von daher bekommen. Also, vom Alten Testament her und durch Jeremias zu den Evangelien. Aber Jeremias hat das nicht konsequent durchgezogen, sondern nur da und dort.

 

Und Sie meinen deshalb, durchgängig müssten die authentischen Worte Jesu die Form der prophetischen, der gebundenen Sprache haben?

 

Genau, aus pädagogischen Gründen. Die Propheten hatten Schüler; die Weisheitslehrer hatten Schüler, und um das, was sie sagen wollten, einprägsam zu formulieren, bedienten sie sich poetischer Methoden – mehrerer: Parallelismus und Rhythmus und Reim, die drei. Die Propheten, die Weisheitslehrer, die Psalmisten, aber auch die Rabbinen in Israel. Es war üblich, ganz einfach üblich – die Rabbinen hatten ja auch Schüler – rhythmisch zu formulieren, um die Behältlichkeit zu steigern. ...

Startseite  I  3 Säulen  I  Fehler in der Bibel  I Werke  I  Kontakt   I  Realisation /CUBE